Wie alles begann …

Die ersten Ideen zur tatsächlichen Errichtung eines modernen Sakralbaus für unsere heutige Zeit entstehen mit der Entwicklung eines HERA-TEMPELS im Jahre 2006, für die vom Wirbelsturm Katrina im August 2005 beinahe völlig zerstörte Stadt New-Orleans.

katrina neworleans flooded

Mit dem Architekten Hajo Bahner nehme ich an einem öffentlichen Architekturwettbewerb von Global Green zum Wiederaufbau der verwüsteten Stadt teil.

Uns ist von Anfang an klar, dass eine tatsächliche Veränderung der prekären Situation in New Orleans nur durch die Verankerung neuer geistiger Inhalte zu erzielen wäre. Daher ist dies unser erstes Augenmerk, noch vor allen anderen Überlegungen zu „Green Design“, die das Lastenheft der Wettbewerbsausschreibung fordert.

Als Künstler bin ich für die Ikonographie, d.h. für Inhalt und Symbolik des Projektes zuständig.  Nach einer allgemeinen Einarbeitung in die Situation vor Ort und in die Lage der Stadt im Mündungsdelta des Mississippi, beginne ich die geistigen Inhalte zu suchen, die – im besten Sinne eines “Logos” – dem Ort eine neue und heilsame Identität stiften könnten.

Ohne alle Fakten und Fundstellen die ich zusammengetragen habe hier wiederzugeben, ein paar Stichpunkte:

Das Hauptproblem der Stadt ist das langsame Absacken des Deltas, verursacht durch das Entwässerungs- und Kanalsystem, das die alljährliche Überschwemmung des Deltas durch den Fluss und die damit verbundenen Neulandaufschüttungen durch den Mississippi verhindert.

Hinzu kommt eine Absenkung der Erdkruste durch die zur Neige gehenden Ölquellen im Golf von Mexico, da die leergepumten und mit Wasser gefüllten Hohlräume der Öllagerstätten langsam nachgeben. Dadurch verschiebt sich die Uferlinie des Meeres ins Landesinnere.

Dies alles, kombiniert mit einer stark gestiegenen Häufig- und Heftigkeit der Herbststürme – wohl verursacht durch eine stärkere Erwärmung des karibischen Meers -machen diese Art von Naturkatastrophe für New Orleans nicht nur erklärlich sondern auch für eine Wiederholung in der Zukunft sehr wahrscheinlich.

Man kann die Stadt auch nicht einfach aufgeben, da über den Hafen und den Mississippi die Schlagader der Rohstoff- und Warenversorgung des gesamten nordamerikanischen Kontinents verläuft.

Hinzu kommen soziale und sozialpsychologische Faktoren: 60-70% schwarzer Bevölkerungsanteil und der dort verbreitete resignative Fatalismus.

Städtebaulich breitet sich die Stadt in typisch amerikanischer Bauweise über große Flächen aus, mit der Notwendigkeit eines hohen Individualverkehrs. Die Bebauung ist nur gering verdichtet, die (vorwiegend Holz-) Bauweise leicht und wenig widerstandsfähig gegen Sturm und Wasser.

Der erstaunliche Aufstieg Venedigs im Mittelalter zu einer der reichsten und mächtigsten Städte für über 1000 Jahre dient mir als Beispiel. Die Stadt hatte es verstanden, die schwierige und nachteilige geographische Lage in einen ungeheuren Vorteil zu verwandeln. Venedig liegt mitten in der Lagune (auf heute über 117 Inseln) und auch die Flußmündungen von Po und Piave im Norden spielen eine Rolle. Venedig (Venezia = Venus) ist eine Stadt voller Mariensymbole. In den vielen Marienkirchen (d.h. Symbolen der Mater Magna) konkretisiert sich der Wunsch und der Wille zu Reichtum und Macht.

Dasselbe Wunder wollen wir für New Orleans versuchen. Es ist wahrscheinlich  der einzige Weg, die Stadt vor dem Untergang zu retten. Die Ausschreibungsmodalitäten – einschließlich aller ökologischen Kriterien – erfüllen wir selbstverständlich auch.

Nach einiger Zeit des Suchens, stoße ich auf den richtigen Archetyp in der Gestalt der HERA.  Hier eine Zeichnung  der HERA, die ich bereits 2005 angefertigt habe, ohne über diese Sachen zu wissen.

Hera -Schwarze Madonna

Sie hat dunkelhäutige, wenn nicht negroide Züge. Ich tat dies, ohne zu wissen, dass Hera = Isis = Frigga = Schwarze Madonna der selbe Archetyp sind.

Hera wurde von ihrer Mutter Gaia (der Erde) vor deren Gatten Kronos im wunderbaren Land der Hesperiden (im Westen, jenseits von Gibraltar) verborgen. Die Hesperiden waren Heras Tanten und sind auch bekannt als die „AFRIKANISCHEN SCHWESTERN“.

Hera ist die einzige Göttin, die wie Zeus über die Naturgewalten WETTER, REGEN und STURM gebietet. Also sehr passend als Schutzgöttin für New Orleans, damit solch eine Katastrophe nicht noch einmal passiert.

Das erste Heiligtum der Fruchtbarkeitsgöttin Isis war im Nildelta, dessen alljährliche Überschwemmungen Fruchtbarkeit, Wasser und Dünger brachten. Ähnlich wie beim Mississippi auch heute noch, waren die Überschwemmungen
des Nils überlebensnotwendig!

Frigg oder Frigga, die nordische Entsprechung der Hera (hat übrigens auch den Apfelbaum im Garten, der Erkenntnis und ewige Jugend verleiht) wohnt bezeichnenderweise in einem Palast des Wassers mit Namen Fensal oder Sumpfsaal. Wie passend für New Orleans, mitten in den Weiten des sumpfigen Mississippideltas.

Das in New Orleans für den Bau vorgesehene Grundstück liegt im Bezirk „Holy Cross“. Direkt einen Block weiter, parallel zu der an das Baugrundstück grenzenden Douglas Street liegt die „Chartres Street“. Der Name nimmt bezug auf die  bekannte französiche Stadt mit der berühmten Kathedrale. Chartres bezieht seinen Namen vom sogenannten Karnutenwald, in dem sich einmal jährlich die Druiden treffen. Die Druiden galten und gelten als Anhänger des vorchristlichen matriarchalen Kultes. So ist es kein Wunder, dass sich in der Kathedrale zu Chartres eine der bedeutendsten schwarzen Madonnen befindet.

Die Ideale Verknüpfung der Elemente Erde, Luft und Wasser wird also durch diese Muttergottheit verkörpert. Dies alles führt zur FÜLLE, d.h. Wohlstand und ist das Gegenteil von Armut.

Zitate:

Robert Graves – Mammon and the Black Goddess – schreibt,

„Die Schwarze Göttin … verspricht ein Band der Versöhnung zwischen Mann und Frau … in dem sich das patriarchalische Band der Ehe auflösen wird. Die Schwarze Göttin erfuhr Gutes und Böses, Liebe und Haß, Wahrheit und Falschheit in Gestalt ihrer Schwestern … Sie wird den Menschen zurückführen zu diesem sicheren Instinkt der Liebe, den er vor langer Zeit durch den Stolz des Intellekts verlor.“

Für den Religionshistoriker Gilles Quispel spielt die Schwarze Madonna eine wesentliche, übernatürliche Rolle.

“ … Bevor nicht Männer und Frauen gleichermaßen sich dieser uralten Vorstellung der Schwarzen Madonna bewusst werden und sie in sich selbst integrieren , wird die Menschheit unfähig sein, die Probleme des Materialismus, Rassismus, der Frauenemanzipation und alles, was sie beinhalten, zu lösen …“

Er stellt ihre Beziehung zur frühen christlichen gnostischen Überlieferung her, in der die Mutter auch „Weisheit“, „Heiliger Geist“, „Erde“, „Jerusalem“ und sogar „Herrgott“ genannt wurde. Die frühen jüdischen Christen sahen den Heiligen Geist als Mutter personifiziert und beteten zu ihr, denn sie war gleichermaßen Gott.

Schließlich beschließen wir, aufgrund der örtlichen Lage, dort einen Heratempel zu bauen: „BLACK MADONNA OF NEW ORLEANS“. Den englischen Text zu unserem Wettbewerbsbeitrag könnt Ihr hier im Original nachlesen concept-and-green-design1.doc

site_3.jpg   New Orleans - Black Madonna - Site. Global Green Design Competition   New-Orleans Black Madonna, Board 1: Global Green Design Competition   New-Orleans Black Madonna, Board 2: Global Green Design Competition

Wir gewinnen den Wettbewerb trotz unseres innovativen Konzepts leider nicht.

Fast ein Jahr später, als die Wettbewerbsgewinner und auch die Ergebnisse der zweiten Gestaltungsrunde vor Ort vorliegen, meint mein Freund Hajo Bahner lapidar dazu:

„… interessant, daß der Gewinner ziemlich viele urbanistische Elemente von uns übernommen hat, ohne den wesentlichen mythischen Kern natürlich, auf den es – und da bin ich noch mehr überzeugt als zuvor – ganz zentral ankommt, wenn mehr bewirkt werden soll, als sich guten Willens und räumlich und gestalterisch ganz „chic“ weiter im immergleichen Kreis zu drehen …“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Seitdem arbeite ich täglich im STEINBRUCH DES MENSCHSEINS. Ich entwickle meine Idee des Hera-Tempels zum Bau einer realen Kathedrale in der heutigen Zeit weiter. Ein Tempel für den modernen Menschen soll entstehen. Dieses Bauwerk wird, randvoll gefüllt mit Figuren, von der ewig gleichen Geschichte des menschlichen Urmythos erzählen.

Der Urmythos ist das Grundmuster der Existenz. Ein Zyklus, den jeder Mensch, der sich von einem Stadium zum nächsten entwickelt, durchmachen muss. Bei ganz kleinen Problemen, genauso wie bei großen, existentiellen Veränderungen.

Es ist die Reise in die Innenwelt und zu den dort zu bestehenden Gefahren. Die Läuterung, Lösung oder Versöhnung und die darauf erfolgende Befreiung und Rückkehr in die Welt der Menschen. Es ist der Verdienst von Joseph Campbell diesen Monomythos archetypisch beschrieben zu haben.

Auf dieser Webseite wird die Kathedrale des Lebens gebaut. Schritt für Schritt. Stein für Stein. Zuerst nur geistig, in Form von Zeichnungen, Skizzen. Später, in Form von konkreten Figuren, Modellen und Ausstellungen. Und schließlich, als materielles, beschreitbares, benutzbares Heiligtum. Als gebauter Raum, als Architektur.

Hier werden alle Details der inneren und äußeren architektonischen Form, des Lichtes, der Farbe, des Raumklangs bis hin zur Symbolik und den physikalischen Eigenschaften der verwendeten Materialien künstlerisch erfasst und gestaltet. 

Ihr dürft die ganze Sache mitverfolgen, beobachten, kommentieren. Teilhaben!

Viel Spass

Tilmann Krumrey

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