Erste Skizzen

Hier zwei Skizzen, die ich im Herbst 2006 anfertige, als die ersten Ideen zur Kathedrale entstehen.

 die-kathedrale-skizze-1.jpg   schwarze-madonna-skizze-1.jpg   

Es sind Gedanken zu den Inhalten und zur Besucherführung durch das Bauwerk, die ich in Form von Ideenskizzen notiere.

Auf dem linken Bild seht Ihr einen Querschnitt vom Portal zum „Hauptschiff“, dort wo die „Schwarze Madonna“ positioniert werden soll. Hier geht es erstmal nur um den „gebauten Raum“ also den Raumeindruck von innen, das was man empfindet, wenn man im Raum ist. Die Fassade ist mir in diesem Stadium sekundär und hängt auch sehr von der Umgebung des realen Bauwerks ab.

Das „höhleartige“ des Eingangstunnels wird durch die favorisierten Baumaterialien Stroh und Lehm verstärkt. Auch Stein ist möglich, aber es lassen sich durch diese uralten und heute doch so innovativen Baumaterialien erstaunliche Formgebungen erreichen – bis hin zu freitragenden Kuppeln aus Strohballen – bei verhältnismäßig kostengünstiger und zügiger Arbeitsweise. Wichtig ist mir die Resonanz zur Materie, zur Erde an sich. Auch der Geruchseindruck des Erdbauwerks und das Raumklima, ist sehr wichtig.

Auf dem rechten Bild findet Ihr die ersten „Gesturen“ zur Figur der „Schwarzen Madonna“ (= Isis). Gesturen sind Skizzen, die die prinzipielle Bewegung und den Ausdruck der Figur beschreiben.

die-kathedrale-skizze-2.jpg

Diese Zeichung entsteht etwas später, in 2007, als das ikonographische Schema deutlicher wird. Der Grundriss folgt den Proportionen einer liegenden menschlichen Figur, mit dem Eingang am Fußende und dem Ausgang am Kopfende.

Ihr könnt schon sehen, dass dieser Grundriss und die Bauweise wenig mit dem mittelalterlichen Typus der eigentlichen „Kathedrale“ zu tun hat.

Ein guter Bekannter, der begnadete Kunst- und Architekturhistoriker Dr. Rainald Raabe hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es kaum Kathedralen gäbe, die eine Krypta (das ist eine Unterkirche, meist unter der Apsis) besäßen. Dies war nämlich hauptsächlich in den romanischen, also zeitlich früheren, Kirchenbauwerken der Fall.

Ich muß zugeben, dass mich dieser Umstand wenig tangiert, da es mir nicht darauf ankommt, den Typus der klassischen Kathedrale wiederzubeleben. Diese folgt ja einem architektonischen Formstreben, das sich in der Romanik vorbereitet hat und in der Gotik zu höchster Vollendung kommt.

Die Baukörper werden dabei entsprechend den liturgischen Vorgaben des Christentums gestaltet. Die Liturgie ist das Ritual, nach dem der Gottesdienst und die weiteren religiösen Nebentätigkeiten ablaufen. So war z.B. das „Gottesdienst lesen“ für viele Kathedralen eine lukrative Auftragstätigkeit. Daher bekommen diese Kirchen möglichst viele Seiten- oder Umgangskapellen, damit zur gleichen Zeit möglichst viele Gottesdienste abgehalten werden können. Für die „Betreiber“ eine wichtige Form der Maximierung und Verstetigung von Profit Zuwendungen.  Ein anderes Beispiel ist der Pilger-Tourismus. Es war wichtig und üblich, auf Wallfahrten bestimmte Heilige aufzusuchen. Der oder die Heilige ist in der Kirche durch eine  meistens gefälschte Reliquie anwesend. Der Besuch des Reliquienschreins ist für die Pilger sehr wichtig, um Erfolg bei der Wallfahrt zu haben. Um möglichst viele Pilger so reibungslos und doch so nahe wie möglich am Allerheiligsten, der Reliquie, vorbeizuführen, wurde der Umgang um die Apsis, dem häufigsten Aufbewahrungsort der Reliquie, entwickelt. Dort konnten die Pilgerströme zügig ihre religiöse Aufgabe verrichten und ebenso schnell zu den Gaststätten, Souvenirläden etc. weiteren Stationen Ihres Tagesablaufs vorankommen. Zeit ist schließlich Geld. Besonders im Pauschaltourismus.

Ich bitte darum, diese Bemerkungen keineswegs als  zynisch oder kritisierend aufzufassen. Ich will nur aufzeigen, wie Religion und Ökonomie schon immer miteinander verwoben waren und wie sehr BEIDES die architektonische Gestalt geprägt hat.

In meiner „Kathedrale des Lebens“ gibt es nur eine „Liturgie“ – und diese ist nicht konfessionsgebunden. Es ist die Liturgie, d.h. das Grundmuster des Monomythos. Dementsprechend wird das neue sakrale Bauwerk geformt.

Das Bauwerk trägt den Titel Kathedrale, da Isis – und sie ist eine zentrale Figur in jeder Kathedrale –  in der ägyptischen Kultur immer auf einem Stuhl oder Thron mit hoher Lehne sitzend dargestellt wird. Verkürzt bezeichnet auch die Hieroglyphe der Bedeutung „Sitz/Thron“ die Göttin Isis.

Hier die ägyptische Hieroglyphe der Isis als Bild    isis21.jpg

Jetzt versteht Ihr auch, warum Maria immer auf so einem starren Stuhl „thront“. Der griechische Begriff „kathedra“, d.h. „Stuhl“, bezeichnet genau dies.

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