Making of … Kain und Abel VI

Nach den zuletzt zu sehenden Bildern der Zerstückelung von „Kain und Abel“ wurde für jedes der Einzelteile eine Silikonform angefertigt.

Nachdem dieser Schritt erfolgt war, wurden aus diesen Silikonformen Wachs-Modelle geschaffen, die mit den notwendigen Angüssen (Zufluss-Kanälen) und Steigern (Entlüftungskanälen) ebenfalls aus Wachs versehen worden sind. Diese recht komplex wirkenden Gebilde aus Wachs wurden in mächtigen Kästen mit einem Gips-Schamotte Gemisch eingegossen.

Nach dem Erstarren und Aushärten der Masse wurden diese Blöcke aus Gips-Schamotte sehr vorsichtig und langsam über mehrere Tage in einem großen Ofen – einem Keramikofen nicht unähnlich – auf ca. 600 Grad erhitzt. Dadurch trat das noch vorhandene Wasser als Dampf aus der Form aus und das Wachs schmolz und verdampfte. Zurück blieben Gips-Schamotte Hohlformen in die dann die flüssige Schmelze aus Bronze eingegossen wurde (Wachsausschmelzverfahren).

Nach Auskühlung der Bronze wurden die Gips-Schamotte Formen vorsichtig zerschlagen und die zum Vorschein kommenden Rohgüsse gereinigt, von Angüssen und Steigern befreit und versäubert. Schließlich konnte unter meiner Aufsicht das Zusammensetzen der Figur beginnen.

Zusammensetzung_Kain_Abel_Tilmann_Krumrey   Zusammensetzung_Kain_Abel_Tilmann_Krumrey   Zusammensetzung_Kain_Abel_Tilmann_Krumrey

Zunächst wurden die Einzelteile nur geheftet, wie die Schweißer sagen, um noch notwendige Korrekturen in der Ausrichtung vornehmen zu können. Insbesondere das korrekte Wiederherstellen der Winkel war eine wichtige Aufgabe, die meiner ganzen Aufmerksamkeit bedurfte.

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Das Schweißen erfolgte mit Bronzestäben in exakt der gleichen Legierung, aus der die Einzelteile gegossen waren. Somit sind spätere Verfärbungen durch unterschiedliche Oxidation und ein Sichtbarwerden der Nahtstellen ausgeschlossen. Auch die Legierung entsprach nicht der bekannten RG9 Glockenguss-Legierung, sondern einer Spezial-Legierung der Gießerei, die noch etwas Blei enthielt. Dadurch wurde zwar der Klang dumpf – so dass eine weitere „Bespielung“ der Figur durch Kersten Ginsberg kaum Sinn machte – aber das Metall floss besser und die Gefahr von Lunkern (Porositäten) und Löchern bei den großen Einzelteilen war deutlich reduziert. Ausserdem ließ sich diese Legierung, da sie weniger spröde war, leichter treiben (biegen, dehnen), um die Passgenauigkeit der Einzelteile zu verbessern.

In den Armen von Abel und in seiner Brust wurden stark dimensionierte V2A Vierkantrohre angeschweißt, damit die Figur auch im öffentlichen Raum eine unverwüstliche Statik hat.

Man sieht auf dem vorletzten Foto, dass auch der Rumpf noch einmal geteilt wurde, um ein besseres uns sichereres Gussergebnis zu erhalten. Nachdem die Figur geheftet war wurde sie aufgestellt und von mir ausgiebig kontrolliert. Schließlich wurden alle Nahtstellen sauber komplett verschweißt und ziseliert, d.h. so in der Oberflächenstruktur überarbeitet, dass keine Übergänge zwischen Guss und Naht mehr erkennbar waren.

Abfahrt_Kain_Abel_Tilmann_Krumrey

Anschließend wurde die Figur mit Schwefelleber patiniert, das heißt die Bearbeitungsspuren und blanken Stellen, die durch das Schweißen und Ziselieren entstanden waren, wurden gleichmäßig gefärbt. Dann wurden die Figuren – inzwischen waren auch „Stille“ und „Ohnmacht“ fertiggestellt – verpackt, verladen und sorgfältig verzurrt. Mit knapp unter 5 Tonnen Gesamtgewicht setzte sich der Transport am 6. August gen Spanien in Bewegung.

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