Der Erweckte

Nun also, eine kurze Vorschau. Ein Blick in mein Atelier, durchs Schlüsselloch gewissermaßen, auf die große Marmorarbeit „ERWECKT“.

ERWECKT - Tilmann Krumrey

Während der letzten 17 Jahre habe ich den ursprünglich 3,5 Tonnen schweren Brocken immer mitgeschleppt und bin mehrmals damit umgezogen. Diesen Sommer konnte ich ihn endlich vollenden. Ich möchte heute allerdings (noch!) keine Deutung dieser vielschichtigen und ausgereift komplexen Skulptur geben. Nur die Fertigstellung soll dokumentiert sein.

Die Skulptur aus Carrara Marmor ist der Antipode zu „GEKREUZIGT“ und stammt in der ursprünglichen Konzeption auch aus der selben Zeit. Sie ist eine der zentralen Figuren, die im Monomythos Block im Original zu sehen sein werden.

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Skizzen und Studien

Den Sommer über verbrachte ich mit diversen Auftragsarbeiten, Zeichenstudien von Gliedmaßen, den Entwurfs-, Konzeptions- und Konstruktionsarbeiten zum Monomythos Block und der Fertigstellung einer großen Marmorarbeit. Hier hatte ich einen Fuß fertig zu stellen.

Ein paar Beispiele:

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Wie geht es weiter?

Langsam wird es Zeit, eine kleine Aktualisierung zu publizieren, über die Ereignisse und meine Tätigkeiten in den letzten Monaten.

Wie Ihr wißt, arbeite ich schon länger daran, eine größere Ausstellung vorzubereiten, was aber nicht ganz leicht ist, insbesondere wenn es sich um Bildhauerei handelt. Es musste ein geeigneter Raum gefunden werden, mit entsprechender „Aura“, da ich meine Arbeiten „dramaturgisch inszenieren“ wollte. Auch mussten Zufahrtswege bestehen, da einige Tonnen Gewicht zu bewegen wären.

Ich hatte lange nach geeigneten Räumen gesucht. Zuerst im Untergrund, da mir eine Katakomben-Situation vorschwebte. Ich recherchierte diverse Bunkeranlagen, die noch reichlich im Münchner Untergrund vorhanden sind. Aufgrund der historischen Vorbelastungen und durch die schlechte Erreichbarkeit schieden diese Ideen wieder aus. Hier im Bild die Zeppelintribüne (Kassenhalle) am alten Flughafen München Riem und die darunter liegenden Luftschutzbunker, die ich kurzzeitig in Erwägung gezogen hatte.

Dann gab mir ein befreundeter Architekt den Tipp, die Regenrückhaltebecken in München einmal anzusehen (ich hatte es schon erwähnt). Man kann sie zwar besichtigen oder für kurzfristige Events buchen, aber für Ausstellungen ist das ganze – obwohl räumlich sehr interessant – ungeeignet. Der Transport ist kompliziert und der Event ist nicht planbar, da selbst im Sommer plötzliche Regenfälle eine Überflutung des unterirdischen Beckens bedeuten.

Regenwasserspeicher am Hirschgarten, München

Regenwasserspeicher am Hirschgarten, München

Daraufhin hatte ich mir im Juni eine säkularisierte Kirche in München auserkoren, zentral gelegen und von Zeit zu Zeit auch durch das Erzbistum München und Freising als Ausstellungsraum genutzt.

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In einem darauf angepaßten Konzept wurde ich im Kunstreferat des Erzbistums vorstellig und bewarb mich mit meinem Projekt. Nach einigen zähen Wochen erhielt ich dann eine Absage durch den Kunstreferenten, mit der Begründung, meine Arbeiten – insbesondere die Köpfe – seien für die Kirche zu „antikisch“.

Nun, das entband mich von der Sorge irgendwelche verbalen Rücksichten zu nehmen, in der Äußerung meiner Ansichten. Und, es zeigte mir, mit meiner Kunst auf dem richtigen Weg zu sein. Und noch ein Gutes, hatte dieser Rückschlag: Da es sich bis dahin schwierig gestaltet hatte einen geeigneten Ausstellungsraum zu finden, entwarf ich kurzerhand ein eigenes Gebäude.

Monomythos Block

Monomythos Block

Monomythos Block - Grundriß

Monomythos Block - Grundriß

Dies ist die erste Manifestation meiner Kathedrale – gewissermaßen die Vorstufe. Ich nenne es den Monomythos Block: Ein schwarzer monolithischer Kubus, ähnlich der Kaaba in Mekka, jedoch mit Portal, den beiden Portalfiguren und vier Innen­räumen, die farbig gefasst sind.

Dieser „Black Cube“ wird als mobiler Tempel an wechselnden Standorten für jeweils 6 Wochen dort aufgestellt, wo die Menschen es leicht haben, einen kurzen Augenblick im Alltag inne zuhalten und in den mythologischen Urgrund aller Menschen einzutauchen. Fernab des offiziellen Kunstbetriebs möchte ich in einer theatralischen Inszenierung des Innenraumes mittels Licht, Klang und Geruch meine Arbeiten auf einfache und spontane Weise zugänglich machen.

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Der Gekreuzigte …

… ist eine Figur, die schon vor 17 Jahren entstanden ist. Sie ist 2,70 m hoch und aus Eichenholz, das ich mit Salzlauge silbrig patiniert habe.

Die Skulptur war einige Zeit in München ausgestellt und ist während der letzten Jahre in einer Münchner Privatsammlung der Öffentlichkeit verborgen gewesen.

Im Herbst diesen Jahres wird sie – im Rahmen einer großen Einzelausstellung – mit meinen weiteren Arbeiten erstmals seit langem wieder zu sehen sein.

Außerdem – und das ist eine Premiere – wird sie zum ersten Mal ihrem thematischen Antipoden gegenüberstehen, der großen Marmorskulptur „Erweckt“, an der ich über 17 Jahre lang gearbeitet habe.

Gekreuzigt - Kruzifix Gekreuzigt - Kruzifix Gekreuzigt - Kruzifix Gekreuzigt - Kruzifix

Gekreuzigt heißt die Skulptur deshalb, weil sie einen Kruzifixus ohne Kreuz darstellt. Das Kreuz ist immateriell und nicht dargestellt, weil es innwendig ist. Das Kreuz liegt in der Figur selbst verborgen: Der Mensch trägt sein Kreuz in sich selbst. Die Erlösung vom Leid kann er daher auch nur in sich selber finden.

Die Pose der Skulptur ist durch einen afrikanischen Tänzer angeregt (Koffi Kôkô), der damals Europa bereiste und in München im Innenhof der Glyptothek auftrat. Er verbindet in seinem Tanz traditionelle afrikanische Elemente mit dem europäischen Ballett.

Meine Interpretation des Kruzifixus entspricht dem Dreinagelkruzifix Typus, bei dem ein Fuß über den anderen gelegt ist und nur durch einen Nagel fixiert ist. Die beiden anderen Nägel sind durch die Hände getrieben. Daher Dreinagelkruzifix. 

Durch die übereinander gelegten Füße wird der Körper in eine gewundene Form gezwungen, die sich besonders gut dazu eignet, den leidenden oder toten Christus darzustellen. Der Körper hängt hier schwer, durchgesackt, am Kreuz und die Füße tragen nicht mehr. Bei diesem Typus stehen die Hingabe, der Tod, und das Leid im Vordergrund.

Anders der Viernagelkruzifixus, bei dem beide Füße meist parallel mit je einem Nagel versehen (also insgesamt vier Nägeln) auf einem kleinen Podest stehend einen leidfreien manchmal sogar triumphierenden Christus zeigen. Dies ist die Form des Triumphkreuzes (Triumph über den Tod, die Sünde, die Trennung von Gott), das hier aber nicht thematisiert ist.

Dieser Christus repräsentiert jeden Menschen an sich, der Leid erfährt, hungrig nach Atem, Leben und Liebe, ausgedrückt durch den verzweifelt hoch gereckten knochigen Brustkorb, die erhobenen Arme und und die griff- und haltlos hängenden Hände. Der Blick nach oben geht ins Leere, die Beine und Füße sind undifferenziert, sie scheinen den Körper kaum voranbringen zu können.

Es ist die Phase der Dunkelheit des Todes, der Auflösung, des Gebunden- und des Gekreuzigtseins, der tiefsten Krise. Dort, wo jeder Mensch, der nicht gerade als Erleuchteter oder Heiliger geboren wurde, hindurch muss.

Gekreuzigt - Lanzenstoß Gekreuzigt - Lanzenstoss

An der Stelle des Lanzenstichs in der rechten Brust, trägt diese Skulptur einen Ast, der hier genau an der richtigen Stelle sitzt.

Auch das ist ein Hinweis darauf, dass es sich um keine äußere Lanze und um keinen „Missetäter“ in der Außenwelt handelt, der zur Rechenschaft zu ziehen wäre. Vielmehr handelt es sich um einen inneren – eigenen – Stachel, den die Figur in sich trägt.

Dennoch trägt diese Figur auch bereits eine Ahnung in sich. Ausgedrückt dadurch, dass der Dreinageltypus hier im stehenden Kontrapost verwirklicht wurde. Die Beine tragen, die Haltung wirkt tänzerisch, die Figur steht. Und ist die linke Hand noch völlig kraftlos, die Finger der rechten scheinen bereits irgendetwas zu begreifen …

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Erste Ansichten und ernste Absichten

So, damit hier Ernst gemacht wird, gleich ein paar Arbeitsphotos aus meinem Atelier. Momentan arbeite ich an den großen Portalfiguren, die beide erst zur Hälfte fertig gestellt sind.

Allerdings, als Kleinbronze, existiert bereits eine Portalfigur und die zweite wird gerade angefertigt.

Diese beiden Figuren stehen rechts und links des Portikus. Sie bezeichnen damit die Schwelle, den Übergang. Die Pforte in jene andere Welt, die Welt jenseits der Pforte.

Um den Raum zu betreten, muss man an diesen Figuren vorbei, was den schmerzvollen Weg durch die Krise hindurch bedeutet. Jede dieser beiden Figuren formuliert eine andere Art, mit diesem Schmerz umzugehen.

Beide Figuren symbolisieren die Schwelle, den Übergang, wie auch den Weg, die Reise und die innere Entwicklung.

Ich nenne beide Figuren Kämpfer (I + II), da sie etwas tragen, aushalten, durchkämpfen oder auch bekämpfen.

Kämpfer I - Stille, Tilmann Krumrey Kämpfer I - Stille, Tilmann Krumrey Kämpfer I - Stille, Tilmann Krumrey Kämpfer I - Stille, Tilmann Krumrey

Hier die links stehende Figur, wenn man sich vor dem Portal befindet.

Sie heißt „STILLE“ und bezeichnet das stille Horchen nach Innen. Das Suchen einer
Er-lösung im Inneren, in der Er-fahrung und im Zulassen und durch die Erkenntnis aus eigener Intuition, Eingebung oder Einsicht.

Deswegen sind auch die äußeren Sinne ausgeschaltet: Mund geschlossen, Ohren bedeckt, Augen zu. Die Füße sind bewegungslos in den Klemmblöcken eingeschlossen, unmöglich einen Schritt zu tun. Die Arme als Symbol der Befreiung durch äußere, physisch materielle Handlung, fehlen. Daher ein Torso. Der Mensch ist in dieser Situation, ganz auf sein Inneres angewiesen. Das hat diese Figur erkannt und sich in die Stille versenkt.
Kämpfer II - Wut, Tilmann Krumrey Kämpfer II - Wut, Tilmann Krumrey Kämpder II - Wut, Tilmann Krumrey Kämpfer II - Wut, Tilmann Krumrey

Nun die rechts stehende Figur. Sie heißt „OHNMACHT“ und drückt auch dieses aus. Sie ist der andere Pol zur Stille. Eine Phase, die in jeder Krise irgendwann auftritt. Die Figur ist genauso an den Füßen gefesselt wie ihr Gegenüber. Auch hier fehlen die Arme zur physischen Befreiung, allerdings verschwendet diese Figur ihre Energie auf destruktive Art. Sie zeigt Verzweiflung und ungezügelte Wut, Anklage, Vorwurf, Heulen, Schreien, Selbstmitleid und Ohnmacht. Alles symbolisiert durch die geballten Fäuste und den schreienden Mund, den verzweifelt-vorwurftsvollen Blick nach oben, zu einem Schöpfer der angeblich nicht hilft. Durch das Weglassen der Arme und der Schultern wird das emporgerichtete Moment und die zusammengeballte Kraft in den Fäusten noch stärker ausgedrückt.

Einige technische Anmerkungen: Ich arbeite gerade am Gipsmodell, das ich für den Bronzeguss anfertigen muss. Da ich für diese Figur eine höhere Genauigkeit und Präzision in den Details wünsche, habe ich die Figur, die ich ursprünglich erst genauso in Wachs modelliert habe wie Kämpfer I, abgeformt und in Gips gegossen. Das ursprüngliche Wachsmodell wurde dabei zerstört. Auf dieser Basis habe ich begonnen weiter in Gips zu arbeiten, da das verwendete Wachs (hoher Kolophoniumanteil, zwecks besserer Knetbarkeit) Fäden zieht und damit der Detailliertheit (z.B. an den Zähnen im Mund oder an den Fäusten) enge Grenzen setzt.

Die Gipsarbeit erfolgt mit verschiedenen Werkzeugen aus dem Dentalbedarf (Küretten, Schaber und Spatel), da diese in ihrer Feinheit und Schärfe unübertroffen sind. Ansonsten bin ich kreativ, was den Werkzeugeinsatz angeht. Ein Metallbohrer, um Hohlkehlen zu kratzen oder ein altes Küchenmesser mit Zahnschliff zum gröberen Abtragen. Dazwischen wird immer wieder mit Sandpapier geschliffen, das man sich am besten im Malerfachbetrieb besorgt, da die in Baumärkten erhältliche Qualität sehr schnell abnutzt und auch sofort die Körnung zusetzt.

Gipswerkzeuge - Dentalwerkzeuge Größenverhältnis, Gipswerkzeug, Pinsel

Das erste Bild zeigt das Modell und die eingesetzten Werkzeuge, das zweite Bild mit den Pinseln (die ich zum Antragen von flüssigem Gips verwende) zeigt die Größenrelation dieser Arbeit.

Um die Arbeit zu fixieren, muss ich das Werkstück oft gegen die Brust drücken. Insgesamt eine eher schmutzige Angelegenheit, wie man hier sehen kann.

PS: Meine Frau sagt, ich solle besser das vorletzte der Bilder nicht zeigen, ich sähe aus, wie im Gefängnis – aber immerhin mit Heiligenschein 😉

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Wie dieses Blog zu lesen ist … und ein Clou

Um mit diesem Blog voran zu kommen, habe ich beschlossen, vorläufig alle Artikel in chronologischer Reihenfolge, eben in Form eines losen Tagebuchs zu veröffentlichen.

Erst in einem zweiten Schritt, möchte ich sie dann den einzelnen Bauteilen dieser vorerst virtuellen Kathedrale, sprich den einzelnen Webseiten, zuordnen.

Das erlaubt mir, spontane Einfälle oder Entwicklungen zeitnah zu veröffentlichen, um sie öffentlich zu dokumentieren.

Darüber hinaus ermöglicht es den differenzierten Dialog mit meiner Leserschaft, den ich sehr begrüße, da sich dadurch auch für mich manche Dinge schneller klären oder in eine Richtung entwickeln, die mir vorher vielleicht gar nicht so präsent gewesen wäre.

Ich möchte daher diese Webseite als spontanes und manchmal auch etwas rohes künstlerisches Arbeitsbuch begreifen, etwas, das sich parallel zu meiner Arbeit als Bildhauer entfaltet.

Obenstehend eine Zeichnung von mir, in der ich zur Konzeption der Präsentation meiner Köpfe in der Krypta einige Gedanken notiert habe (Näheres zur Krypta und den Köpfen, siehe hier).

Bemerkenswert ist daran folgendes: Ich suchte als Repräsentation für meine „Krypta“ einen unterirdischen Raum in München, um eine erste Ausstellung zu diesem Thema zu verwirklichen. Ich wollte etwas ganz Besonderes. Einen Raum, den man üblicherweise nicht kennt und nie betritt.

Ich hatte von dem befreundeten Architekten Jörg Becker im Januar den Tipp bekommen, dass es unter dem Hirschgarten in München einen unterirdischen Regenwasserspeicher gäbe, der, ihm bekannt, einmal für eine Modenschau genutzt worden sei.

Daraufhin habe ich den Ort aufgesucht, konnte aber nicht hinein, da ja alles unter der Erde ist. Auf jeden Fall habe ich mich mit dem Ort beschäftigt, ihn auf dem Satellitenbild ermittelt usw. Dabei habe ich auch diese Zeichnung angefertigt.

Den Ort hatte ich bis dahin noch nie gesehen, aber so erschien er mir richtig gezeichnet (in der Zeichnung rechts unten).

Erst letzte Woche, habe ich erstmals ein Bild des Regenwasserspeichers unter dem Hirschgarten erhalten. Nun ratet mal, wie das aussah:

Regenwasserspeicher am Hirschgarten, München

Richtig. Es sieht genau so aus, wie auf meiner Zeichnung, die ich rein aus meiner Phantasie angefertigt hatte. Ist das nicht erstaunlich?!

Vielleicht ist es jedoch auch ganz natürlich, wenn man diese Erklärungen und Forschungsergebnisse in Betracht zieht.

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Begriffsklärungen

Ich möchte hier einen Dialog wiedergeben, der auf einer anderen Webseite geführt worden ist, inhaltlich aber hierher gehört. Er ist entstanden aus den Fragen eines befreundeten Theologen, Inocentiu Fron, der sich von seiner Warte her mit meiner Arbeit auseinander gesetzt hat.

Und weil seine Fragen sehr tief in die Gedankenwelt einführen, die den Ursprung für dieses Projekt hier gebildet haben, möchte ich das im Web geführte Gespräch an dieser Stelle dauerhaft niederlegen.

Weitere Kommentare (oben rechts klicken) können jederzeit gegeben werden, ich bin sogar dankbar dafür, da sich die komplexen Sachverhalte am einfachsten im Dialog erschließen.

Innocentiu Fron - Feierstunden.de    Tilmann Krumrey - Sakralbau.org

Inocentiu:
Hallo Till, Skulpturen bereichern unser Leben mit Tiefe und Räumlichkeit . . . „

Tilmann:
„Tiefe und Räumlichkeit, stimmt. Sie „machen“ Räume, wenn sie richtig positioniert sind. Das kann positiv wirken oder auch extrem belastend sein. Je nachdem, welche Intention damit vefolgt wird und was die Skulptur „in sich trägt“.

Inocentiu:
„bin nur so neugierig :-\ Sind Installationen auch Skulpturen / Trägt eine Installation auch „etwas“ in sich?“

Tilmann:
„Wenn der Satz aus der Kommunikationstheorie richtig ist: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ und abgewandelt für Schauspieler „man kann nicht nicht wirken“, so gilt er sicher auch für Dinge im Raum (Installationen eingeschlossen).

Jedes Ding trägt eine Botschaft in sich. In der Kunst wird nur besonderer Wert auf die Botschaft gelegt. Es wird sozusagen die Botschaft, das Geheimnis, das Innere eines Gegenstandes gesteigert. Bei einem normalen Gebrauchsgegenstand wird in erster Linie Wert auf die Funktion gelegt. Die „Botschaft“ tritt erstmal in den Hintergrund, ist aber immer da.

Das sind die alten Diskussionen von „form follows function“ etc., die an der hfg ulm schon in den 50er Jahren geführt wurden. Dort ist schließlich auch die Wiege des Industriedesign.

Also, kurz und knapp: Ja, auch eine Installation trägt etwas in sich. Man spürt es, wenn man sich darauf einstimmt. Wenn man versucht die Sache mit Sprache so genau wie möglich zu beschreiben, gelingt es vielleicht sogar, dieses Innere in Worte zu fassen. Damit ist aber noch keine Aussage über die Qualität dieser Botschaft getroffen. Es ist erstmal nur eine Feststellung.“

Inocentiu:
„Danke Tilmann! Deine Antwort hat mich überzeugt. Ich war immer skeptisch gegenüber „Installationen“.

Kannst du mir sagen, ob dein Projekt „die Kathedrale“ auch als Installation konzipiert worden ist?

Ich zitiere dich: „In meiner “Kathedrale des Lebens” gibt es nur eine “Liturgie” – und diese ist nicht konfessionsgebunden. Es ist die Liturgie, d.h. das Grundmuster des Monomythos. Dementsprechend wird das neue sakrale Bauwerk geformt.“

Die Skizzen dazu sind faszinierend. Wie hat sich das Projekt konkretisiert? Was wäre, wenn ich – eine von mir neu definierte, konfessionsfreie Liturgie – in einem von dir neu konzipierten sakralen Raum durchführen würde? Wäre dies auch eine Installation?“

Tilmann:
„Lieber Inocentiu, wenn Du mich fragst, ob mein Projekt „Kathedrale“ auch als Installation konzipiert worden ist, muss ich rückfragen, was Du genau unter „Installation“ verstehst?

In der Kunst sind ja meistens irgendwelche Bauten oder Anordungen von Gegenständen damit gemeint, die sich nicht mehr so richtig der Skulptur zuordnen lassen. Meistens spielt sich das in Innenräumen ab (Rauminstallation) und im Freien spricht man dann oft von „Land Art“ o.ä.

Dazu kann ich wenig sagen, denn meine Überlegungen kommen eher aus der Architektur. Ich begreife die Skulptur als Körper. Körper sind, selbst wenn sie fragmentarisch dargestellt werden, positves Volumen. D.h. konvexe, Raum „verdrängende“ Formen.

Jedes Gebäude ist solch ein Körper. Man spricht ja auch von „Baukörper“. Diese „Raum-Volumen-Verdränger“ prägen natürlich den verbleibenden „Zwischen-Raum“, d.h. sie hinterlassen einen Eindruck, ein Gefühl, eine Stimmung, eine Emotion, wenn man sich mit seinem physischen Körper als Mensch in diesen „Zwischen-Raum“ begibt. Es findet ein Informations- und Energieaustausch statt, der unmittelbar und spontan abläuft und oft sogar unbewußt bleibt.

Bei Gebäuden (Architektur) ergibt sich noch eine weitere Komponente daraus, dass ich hineingehen kann. Sie sind auch konkave Körper. D.h. der von der Gebäudehaut begrenzte Raum bildet nach innen ein negatives Volumen, einen „Hohlraum“, eine Höhle. Es ist, als ob ich mich in das Innere eines Körpers bewege.

Was ich also mache ist, einen Hohlraum zu schaffen, der wiederum mit Körpern (Skulpturen und Menschen als Besuchern) besetzt ist. Durch die entstehende Dynamik des Informationsaustauschs kann ich unmittelbar und machtvoll mittels unserer Körperwahrnehmung kommunizieren.

Mit der von mir so genannten „Liturgie“ meine ich den Weg des Besuchers durch den Raum und die Begegnung mit den einzelnen Stationen dieser Abfolge. Vielleicht liegt hier der Grund für unser kleines Missverstehen, denn ich glaube, Du verstehst, ganz richtig im theologischen Sinn, das Abhalten eines Rituals als Liturgie.

Zu Deiner letzten Frage: Das Abhalten einer „konfessionsfreien Liturgie“ also eines konfessionsfreien Rituals in einem von mir gestalteten Raum wäre sicher eine sehr spannende Sache. Eine doppelte Liturgie gewissermaßen, ein Ritual im Raum.

Momentan existiert die „Kathedrale“ jedoch nur im Kopf als Idee und in Form von Zeichnungen und einzelnen Skulpturen. Ich möchte jedoch – in dafür geeigneten ungewöhnlichen Räumen – bereits schon jetzt meine „Liturgie des Raums“ Schritt für Schritt, kapitelweise, in Form von Ausstellungen erzählen.

Vielleicht sollten wir uns hierzu schon mal unterhalten. Mein erstes Kapitel möchte ich 2009 zur Biennale in Venedig uraufführen. Die Stadt ist ja voller mächtiger Symbole …“

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Erste Skizzen

Hier zwei Skizzen, die ich im Herbst 2006 anfertige, als die ersten Ideen zur Kathedrale entstehen.

 die-kathedrale-skizze-1.jpg   schwarze-madonna-skizze-1.jpg   

Es sind Gedanken zu den Inhalten und zur Besucherführung durch das Bauwerk, die ich in Form von Ideenskizzen notiere.

Auf dem linken Bild seht Ihr einen Querschnitt vom Portal zum „Hauptschiff“, dort wo die „Schwarze Madonna“ positioniert werden soll. Hier geht es erstmal nur um den „gebauten Raum“ also den Raumeindruck von innen, das was man empfindet, wenn man im Raum ist. Die Fassade ist mir in diesem Stadium sekundär und hängt auch sehr von der Umgebung des realen Bauwerks ab.

Das „höhleartige“ des Eingangstunnels wird durch die favorisierten Baumaterialien Stroh und Lehm verstärkt. Auch Stein ist möglich, aber es lassen sich durch diese uralten und heute doch so innovativen Baumaterialien erstaunliche Formgebungen erreichen – bis hin zu freitragenden Kuppeln aus Strohballen – bei verhältnismäßig kostengünstiger und zügiger Arbeitsweise. Wichtig ist mir die Resonanz zur Materie, zur Erde an sich. Auch der Geruchseindruck des Erdbauwerks und das Raumklima, ist sehr wichtig.

Auf dem rechten Bild findet Ihr die ersten „Gesturen“ zur Figur der „Schwarzen Madonna“ (= Isis). Gesturen sind Skizzen, die die prinzipielle Bewegung und den Ausdruck der Figur beschreiben.

die-kathedrale-skizze-2.jpg

Diese Zeichung entsteht etwas später, in 2007, als das ikonographische Schema deutlicher wird. Der Grundriss folgt den Proportionen einer liegenden menschlichen Figur, mit dem Eingang am Fußende und dem Ausgang am Kopfende.

Ihr könnt schon sehen, dass dieser Grundriss und die Bauweise wenig mit dem mittelalterlichen Typus der eigentlichen „Kathedrale“ zu tun hat.

Ein guter Bekannter, der begnadete Kunst- und Architekturhistoriker Dr. Rainald Raabe hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es kaum Kathedralen gäbe, die eine Krypta (das ist eine Unterkirche, meist unter der Apsis) besäßen. Dies war nämlich hauptsächlich in den romanischen, also zeitlich früheren, Kirchenbauwerken der Fall.

Ich muß zugeben, dass mich dieser Umstand wenig tangiert, da es mir nicht darauf ankommt, den Typus der klassischen Kathedrale wiederzubeleben. Diese folgt ja einem architektonischen Formstreben, das sich in der Romanik vorbereitet hat und in der Gotik zu höchster Vollendung kommt.

Die Baukörper werden dabei entsprechend den liturgischen Vorgaben des Christentums gestaltet. Die Liturgie ist das Ritual, nach dem der Gottesdienst und die weiteren religiösen Nebentätigkeiten ablaufen. So war z.B. das „Gottesdienst lesen“ für viele Kathedralen eine lukrative Auftragstätigkeit. Daher bekommen diese Kirchen möglichst viele Seiten- oder Umgangskapellen, damit zur gleichen Zeit möglichst viele Gottesdienste abgehalten werden können. Für die „Betreiber“ eine wichtige Form der Maximierung und Verstetigung von Profit Zuwendungen.  Ein anderes Beispiel ist der Pilger-Tourismus. Es war wichtig und üblich, auf Wallfahrten bestimmte Heilige aufzusuchen. Der oder die Heilige ist in der Kirche durch eine  meistens gefälschte Reliquie anwesend. Der Besuch des Reliquienschreins ist für die Pilger sehr wichtig, um Erfolg bei der Wallfahrt zu haben. Um möglichst viele Pilger so reibungslos und doch so nahe wie möglich am Allerheiligsten, der Reliquie, vorbeizuführen, wurde der Umgang um die Apsis, dem häufigsten Aufbewahrungsort der Reliquie, entwickelt. Dort konnten die Pilgerströme zügig ihre religiöse Aufgabe verrichten und ebenso schnell zu den Gaststätten, Souvenirläden etc. weiteren Stationen Ihres Tagesablaufs vorankommen. Zeit ist schließlich Geld. Besonders im Pauschaltourismus.

Ich bitte darum, diese Bemerkungen keineswegs als  zynisch oder kritisierend aufzufassen. Ich will nur aufzeigen, wie Religion und Ökonomie schon immer miteinander verwoben waren und wie sehr BEIDES die architektonische Gestalt geprägt hat.

In meiner „Kathedrale des Lebens“ gibt es nur eine „Liturgie“ – und diese ist nicht konfessionsgebunden. Es ist die Liturgie, d.h. das Grundmuster des Monomythos. Dementsprechend wird das neue sakrale Bauwerk geformt.

Das Bauwerk trägt den Titel Kathedrale, da Isis – und sie ist eine zentrale Figur in jeder Kathedrale –  in der ägyptischen Kultur immer auf einem Stuhl oder Thron mit hoher Lehne sitzend dargestellt wird. Verkürzt bezeichnet auch die Hieroglyphe der Bedeutung „Sitz/Thron“ die Göttin Isis.

Hier die ägyptische Hieroglyphe der Isis als Bild    isis21.jpg

Jetzt versteht Ihr auch, warum Maria immer auf so einem starren Stuhl „thront“. Der griechische Begriff „kathedra“, d.h. „Stuhl“, bezeichnet genau dies.

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Wie alles begann …

Die ersten Ideen zur tatsächlichen Errichtung eines modernen Sakralbaus für unsere heutige Zeit entstehen mit der Entwicklung eines HERA-TEMPELS im Jahre 2006, für die vom Wirbelsturm Katrina im August 2005 beinahe völlig zerstörte Stadt New-Orleans.

katrina neworleans flooded

Mit dem Architekten Hajo Bahner nehme ich an einem öffentlichen Architekturwettbewerb von Global Green zum Wiederaufbau der verwüsteten Stadt teil.

Uns ist von Anfang an klar, dass eine tatsächliche Veränderung der prekären Situation in New Orleans nur durch die Verankerung neuer geistiger Inhalte zu erzielen wäre. Daher ist dies unser erstes Augenmerk, noch vor allen anderen Überlegungen zu „Green Design“, die das Lastenheft der Wettbewerbsausschreibung fordert.

Als Künstler bin ich für die Ikonographie, d.h. für Inhalt und Symbolik des Projektes zuständig.  Nach einer allgemeinen Einarbeitung in die Situation vor Ort und in die Lage der Stadt im Mündungsdelta des Mississippi, beginne ich die geistigen Inhalte zu suchen, die – im besten Sinne eines “Logos” – dem Ort eine neue und heilsame Identität stiften könnten.

Ohne alle Fakten und Fundstellen die ich zusammengetragen habe hier wiederzugeben, ein paar Stichpunkte:

Das Hauptproblem der Stadt ist das langsame Absacken des Deltas, verursacht durch das Entwässerungs- und Kanalsystem, das die alljährliche Überschwemmung des Deltas durch den Fluss und die damit verbundenen Neulandaufschüttungen durch den Mississippi verhindert.

Hinzu kommt eine Absenkung der Erdkruste durch die zur Neige gehenden Ölquellen im Golf von Mexico, da die leergepumten und mit Wasser gefüllten Hohlräume der Öllagerstätten langsam nachgeben. Dadurch verschiebt sich die Uferlinie des Meeres ins Landesinnere.

Dies alles, kombiniert mit einer stark gestiegenen Häufig- und Heftigkeit der Herbststürme – wohl verursacht durch eine stärkere Erwärmung des karibischen Meers -machen diese Art von Naturkatastrophe für New Orleans nicht nur erklärlich sondern auch für eine Wiederholung in der Zukunft sehr wahrscheinlich.

Man kann die Stadt auch nicht einfach aufgeben, da über den Hafen und den Mississippi die Schlagader der Rohstoff- und Warenversorgung des gesamten nordamerikanischen Kontinents verläuft.

Hinzu kommen soziale und sozialpsychologische Faktoren: 60-70% schwarzer Bevölkerungsanteil und der dort verbreitete resignative Fatalismus.

Städtebaulich breitet sich die Stadt in typisch amerikanischer Bauweise über große Flächen aus, mit der Notwendigkeit eines hohen Individualverkehrs. Die Bebauung ist nur gering verdichtet, die (vorwiegend Holz-) Bauweise leicht und wenig widerstandsfähig gegen Sturm und Wasser.

Der erstaunliche Aufstieg Venedigs im Mittelalter zu einer der reichsten und mächtigsten Städte für über 1000 Jahre dient mir als Beispiel. Die Stadt hatte es verstanden, die schwierige und nachteilige geographische Lage in einen ungeheuren Vorteil zu verwandeln. Venedig liegt mitten in der Lagune (auf heute über 117 Inseln) und auch die Flußmündungen von Po und Piave im Norden spielen eine Rolle. Venedig (Venezia = Venus) ist eine Stadt voller Mariensymbole. In den vielen Marienkirchen (d.h. Symbolen der Mater Magna) konkretisiert sich der Wunsch und der Wille zu Reichtum und Macht.

Dasselbe Wunder wollen wir für New Orleans versuchen. Es ist wahrscheinlich  der einzige Weg, die Stadt vor dem Untergang zu retten. Die Ausschreibungsmodalitäten – einschließlich aller ökologischen Kriterien – erfüllen wir selbstverständlich auch.

Nach einiger Zeit des Suchens, stoße ich auf den richtigen Archetyp in der Gestalt der HERA.  Hier eine Zeichnung  der HERA, die ich bereits 2005 angefertigt habe, ohne über diese Sachen zu wissen.

Hera -Schwarze Madonna

Sie hat dunkelhäutige, wenn nicht negroide Züge. Ich tat dies, ohne zu wissen, dass Hera = Isis = Frigga = Schwarze Madonna der selbe Archetyp sind.

Hera wurde von ihrer Mutter Gaia (der Erde) vor deren Gatten Kronos im wunderbaren Land der Hesperiden (im Westen, jenseits von Gibraltar) verborgen. Die Hesperiden waren Heras Tanten und sind auch bekannt als die „AFRIKANISCHEN SCHWESTERN“.

Hera ist die einzige Göttin, die wie Zeus über die Naturgewalten WETTER, REGEN und STURM gebietet. Also sehr passend als Schutzgöttin für New Orleans, damit solch eine Katastrophe nicht noch einmal passiert.

Das erste Heiligtum der Fruchtbarkeitsgöttin Isis war im Nildelta, dessen alljährliche Überschwemmungen Fruchtbarkeit, Wasser und Dünger brachten. Ähnlich wie beim Mississippi auch heute noch, waren die Überschwemmungen
des Nils überlebensnotwendig!

Frigg oder Frigga, die nordische Entsprechung der Hera (hat übrigens auch den Apfelbaum im Garten, der Erkenntnis und ewige Jugend verleiht) wohnt bezeichnenderweise in einem Palast des Wassers mit Namen Fensal oder Sumpfsaal. Wie passend für New Orleans, mitten in den Weiten des sumpfigen Mississippideltas.

Das in New Orleans für den Bau vorgesehene Grundstück liegt im Bezirk „Holy Cross“. Direkt einen Block weiter, parallel zu der an das Baugrundstück grenzenden Douglas Street liegt die „Chartres Street“. Der Name nimmt bezug auf die  bekannte französiche Stadt mit der berühmten Kathedrale. Chartres bezieht seinen Namen vom sogenannten Karnutenwald, in dem sich einmal jährlich die Druiden treffen. Die Druiden galten und gelten als Anhänger des vorchristlichen matriarchalen Kultes. So ist es kein Wunder, dass sich in der Kathedrale zu Chartres eine der bedeutendsten schwarzen Madonnen befindet.

Die Ideale Verknüpfung der Elemente Erde, Luft und Wasser wird also durch diese Muttergottheit verkörpert. Dies alles führt zur FÜLLE, d.h. Wohlstand und ist das Gegenteil von Armut.

Zitate:

Robert Graves – Mammon and the Black Goddess – schreibt,

„Die Schwarze Göttin … verspricht ein Band der Versöhnung zwischen Mann und Frau … in dem sich das patriarchalische Band der Ehe auflösen wird. Die Schwarze Göttin erfuhr Gutes und Böses, Liebe und Haß, Wahrheit und Falschheit in Gestalt ihrer Schwestern … Sie wird den Menschen zurückführen zu diesem sicheren Instinkt der Liebe, den er vor langer Zeit durch den Stolz des Intellekts verlor.“

Für den Religionshistoriker Gilles Quispel spielt die Schwarze Madonna eine wesentliche, übernatürliche Rolle.

“ … Bevor nicht Männer und Frauen gleichermaßen sich dieser uralten Vorstellung der Schwarzen Madonna bewusst werden und sie in sich selbst integrieren , wird die Menschheit unfähig sein, die Probleme des Materialismus, Rassismus, der Frauenemanzipation und alles, was sie beinhalten, zu lösen …“

Er stellt ihre Beziehung zur frühen christlichen gnostischen Überlieferung her, in der die Mutter auch „Weisheit“, „Heiliger Geist“, „Erde“, „Jerusalem“ und sogar „Herrgott“ genannt wurde. Die frühen jüdischen Christen sahen den Heiligen Geist als Mutter personifiziert und beteten zu ihr, denn sie war gleichermaßen Gott.

Schließlich beschließen wir, aufgrund der örtlichen Lage, dort einen Heratempel zu bauen: „BLACK MADONNA OF NEW ORLEANS“. Den englischen Text zu unserem Wettbewerbsbeitrag könnt Ihr hier im Original nachlesen concept-and-green-design1.doc

site_3.jpg   New Orleans - Black Madonna - Site. Global Green Design Competition   New-Orleans Black Madonna, Board 1: Global Green Design Competition   New-Orleans Black Madonna, Board 2: Global Green Design Competition

Wir gewinnen den Wettbewerb trotz unseres innovativen Konzepts leider nicht.

Fast ein Jahr später, als die Wettbewerbsgewinner und auch die Ergebnisse der zweiten Gestaltungsrunde vor Ort vorliegen, meint mein Freund Hajo Bahner lapidar dazu:

„… interessant, daß der Gewinner ziemlich viele urbanistische Elemente von uns übernommen hat, ohne den wesentlichen mythischen Kern natürlich, auf den es – und da bin ich noch mehr überzeugt als zuvor – ganz zentral ankommt, wenn mehr bewirkt werden soll, als sich guten Willens und räumlich und gestalterisch ganz „chic“ weiter im immergleichen Kreis zu drehen …“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Seitdem arbeite ich täglich im STEINBRUCH DES MENSCHSEINS. Ich entwickle meine Idee des Hera-Tempels zum Bau einer realen Kathedrale in der heutigen Zeit weiter. Ein Tempel für den modernen Menschen soll entstehen. Dieses Bauwerk wird, randvoll gefüllt mit Figuren, von der ewig gleichen Geschichte des menschlichen Urmythos erzählen.

Der Urmythos ist das Grundmuster der Existenz. Ein Zyklus, den jeder Mensch, der sich von einem Stadium zum nächsten entwickelt, durchmachen muss. Bei ganz kleinen Problemen, genauso wie bei großen, existentiellen Veränderungen.

Es ist die Reise in die Innenwelt und zu den dort zu bestehenden Gefahren. Die Läuterung, Lösung oder Versöhnung und die darauf erfolgende Befreiung und Rückkehr in die Welt der Menschen. Es ist der Verdienst von Joseph Campbell diesen Monomythos archetypisch beschrieben zu haben.

Auf dieser Webseite wird die Kathedrale des Lebens gebaut. Schritt für Schritt. Stein für Stein. Zuerst nur geistig, in Form von Zeichnungen, Skizzen. Später, in Form von konkreten Figuren, Modellen und Ausstellungen. Und schließlich, als materielles, beschreitbares, benutzbares Heiligtum. Als gebauter Raum, als Architektur.

Hier werden alle Details der inneren und äußeren architektonischen Form, des Lichtes, der Farbe, des Raumklangs bis hin zur Symbolik und den physikalischen Eigenschaften der verwendeten Materialien künstlerisch erfasst und gestaltet. 

Ihr dürft die ganze Sache mitverfolgen, beobachten, kommentieren. Teilhaben!

Viel Spass

Tilmann Krumrey

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